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Ich hasse es...

... wenn ich von irgendwem in Anspruch genommen werde. Ehrlich? Ich bräuchte von mir aus gar niemanden von den ganzen Leuten treffen! Sie gehen mir auf den Sack. Sie alle kommen an und labern von wegen: "Ja, ich weiß ja, dein Terminkalender ist sicherlich proppenvoll, aber wenn du noch ein bisschen Zeit übrig hast, könnte man sich ja auf einen Kaffee..." Klar, könnte man. DAS würde aber voraussetzen, dass ich wollen würde. Wisst ihr was, ihr Lieben? Wenn ich Zeit übrig habe, verbring ich die lieber mit Leuten meiner Wahl und net mit Leuten eurer Wahl. Dass ich auf Heim-Urlaub in Deutschland bin, heißt schließlich nicht, dass ich euch alle treffen will. Nein, heißt es nicht. Ihr wollt bloß was weiß ich nicht alles von mir hören - im tollsten Fall nur um die Bestätigung zu bekommen, dass ihr euer Leben besser im Griff habt, und besser mit allem klar kommt. Wenn ich zwei Monate hier wäre oder drei, dann könnte man über vieles reden. Aber bei zehn Tagen? Ihr habt echt einen Schatten!! Ich freu mich auf meine beste Freundin, die morgen von Berlin herkommt und für eine Übernachtung bleibt. Aber ich bin hier im Urlaub!! Ich habe keinen Drang, jeden Tag irgendwas zu machen!! Ich habe Jobs zu erledigen in Japan - und das nicht selten sieben Tage die Woche. Also hab ich wohl verständlicher Weise keine Lust, hier ständig unterwegs zu sein. Aktivitäten? Maximal an der Hälfte der Tage!! Das heißt: 10 Tage : 2 = 5 Tage. Davon sind zwei für meine Freundin reserviert -> Rest 3 Tage. Nun hatte ich an zwei Tagen bereits etwas und heute wird auch noch meine Tante auf Besuch kommen. Tja, sieht schlecht aus. Pech für euch, Leute. Mann, lebt damit, dass ihr mich nicht treffen könnt!! Wobei die Tante ehrlich gesagt nicht wirklich willkommen ist bei mir. Das klingt hart und gemein, schließlich ist sie schon 77 und muss bald wegen einer Operation ins Krankenhaus... schön, schön, wenn sie nicht nervtötend wäre. Wir riefen sie an und sie war dann am Telefon und laberte und rhabarberte und blubberte vor sich hin und bladiblah und blibbediblubb und ich nur immer so kurze Antworten, wie "ja", "ach?", "ah ja", "nein", "nee", "doch schon" und so weiter. Also echt fast ein Monolog von ihr. Und dann kommt der Oberhammer: sie meinte schließlich, es sei schön gewesen, meine Stimme gehört zu haben... BITTE????? Ey Alda, ich hab quasi nix gesagt!! Wie bescheuert ist die Frau bitte? Hätte sie zum Beispiel gesagt: "Ach das war schön, mit dir telefoniert zu haben." ... klar, kein Ding, alles prima. Aber zum einen hatte ich nix von dem Gespräch und dann auch noch dieser dumme Satz!!!! Ja, sicher, man könnte sagen, dass ich mich doch freuen sollte, dass ich mit meiner Tante sprechen konnte. Schließlich ist sie nicht mehr die Jüngste. Und sie freut sich, wenn sie nochmal mit ihrer Nichte sprechen kann. Ja, bestimmt freut SIE sich. Aber ICH freue mich nicht, weil ich mit ihr sprechen SOLL, damit sie sich freut. Ich würde auch gern mit irgendwelchen Leuten sprechen. Dann würde ich mich freuen. Und?? Das kriege ich auch nicht!! Was sagt es über das Verhältnis aus, wenn nur eine Seite den Kontakt gerne hätte?? Keine besonders innige und gute Beziehung? Ja, gut möglich. Ich bin anscheinend auch für so einige Leute lästig und sie reden nicht mit mir, oder anscheinend nur widerwillig. Aber ich soll bitte nicht meine Unlust und meine Abneigung gegen ein Gespräch durchblicken lassen. Ich soll mich freuen. Yay! Juhuu! Schön, dass wir uns treffen und sprechen konnten. Ähm... nun ja, nein? Ich hab es nun nicht wirklich genossen? Ich habe die ganze Zeit die Zeit im Block gehabt und abgewägt, wann ich da Gespräch freundlich beenden kann? Ich habe dir die ganze Zeit zugehört und auf deine Fragen möglichst oberflächlich geantwortet, um deine Neugier zu befriedigen ohne dir irgendwas wirklich Wichtiges zu verraten? Und nun bin ich echt erschöpft, weil ich die ganze Zeit eine Rolle spielen musste und du sagst zu mir auch noch, es sei schön gewesen, dass wir uns sehen konnten?? Du scheinst viel Spaß gehabt zu haben. Du scheinst es genossen zu haben. Schön, freut mich für dich. Klar, niemand will irgendwem lästig sein. Aber so, wie ich es erfahre, darf ich es nicht zurückgeben. Dann bin ich nämlich die Böse. Und alle finden mich egoistisch und reden vielleicht noch über mich... Ja, ich bin genervt von euch. Und ja, auch von der Labertaschen-Seite meiner Mutter. Man muss nicht alles in kindlich-naiver Art kommentieren und ausführen. Nein! Das ist nicht nötig! Es ist auch unnötig, sich Gedanken zu machen um Sachen, die einen nichts angehen! Oder an denen man JETZT eh nichts machen kann... Da flüchtet man sich schon ins Essen, um die Laberei einigermaßen zu überstehen, und dann taucht sie später auch noch plötzlich auf, wo man noch einiges einfach nachlegt, damit sich der Gang zur Schüssel auch lohnen mag. Ja, super! Noch nicht genug Aufmerksamkeit gekriegt??? Lass mich doch einfach in Ruhe kotzen gehen! BITTE!! Nein, da muss erst noch ein längeres Gespräch angefangen werden. Versteh mich bitte keiner falsch! Ich liebe meine Mutter sehr! Aber diese Endlosgespräche sind einfach zeit- und kräfteraubend... Ich meine damit die Gespräche zum falschen Zeitpunkt. Wenn es allgemein anerkannte Talk-Time ist, kein Ding. Aber wie wäre es, dem Gegenüber auch mal etwas Ruhe zu gönnen? Schön, schön, den Fehler hab ich selber auch schon gemacht. Ergebnis: alle waren sauer au mich und der eine, um den es mir so sehr ging, blockt mich auf'm Messenger. Sollte ich mir mal erlauben sauer zu sein? Dann wäre ich doch wirklich direkt die Böse!! Tja, nun muss mal Feierabend sein. Auf geht's ins nächste Endlosgespräch...

konsumieren statt kreieren...

Immer habe ich mich gefragt... habe ich mich gefragt, warum... mich gefragt, warum nicht... Warum bin ich so unkreativ? Warum habe ich keinen Schöpfungsdrang, auch keinen Forschungsdrang, Wissensdrang, Neugier? Naja, ein wenig ja schon, aber einfach viel zu wenig, viel zu schwach. Mein ganzes Leben besteht aus Konsum... Scheißverdammter Konsum!! Ich hatte immer schon den Eindruck gehabt, dass irgendetwas nicht ganz richtig sei, aber es blieb immer nur bei einem vagen Gefühl. Immer nur so ein Gefühl. Aber nun? Wenn ich mich hier umsehe, erblicke ich nichts Kreatives, nur Fertiges, Gekauftes. Ja, ich sehe ein paar wenige selbst gemachte Dinge, aber selbst sie sind nach Anleitung gefertigt und nicht selbst erdacht. Nur ganz vereinzelte Sachen sind frei erdacht und hergestellt oder halt freie Interpretationen, freie Umsetzungen eines Themas. Ich habe es so sehr übernommen, selbst angenommen, dieses Anhäufen von Dingen. Ich hielt es für normal, hielt es für richtig, bin damit groß geworden. Es war ein großer Bestandteil meines Lebens, hier im Elternhaus und auch später in der gemeinsamen Wohnung mit meinem damaligen Freund und schließlich in meiner Studentenwohnung, fünfzehn Minuten mit der Straßenbahn von der Uni entfernt. Es war ein Baustein, ein richtig großer Anteil. Die Materialanhäufungen waren von Wert für mich. Klar, den materiellen Wert KANN man nicht wegdiskutieren, weil er einfach gegeben ist, aber wozu zum Beispiel braucht man bergeweise Gesellschaftsspiele?? Bergeweise Puzzle?? Bergeweise Zeitschriften?? Ich fand erneut eine Kiste voller Bücher der Reihe "Der Hexer", die ich bis auf vielleicht zwei oder drei nie gelesen hatte. Selber Spiele erfinden? Selber schreiben? Ich habe ein wenig selber geschrieben. Ich habe früher hin und wieder Gedichte geschrieben, vor allem wenn es mir schlecht ging. Meine Mutter hat früher gestickt und viele Fensterbilder gebastelt, aber die Motive? Immer vorgegeben, immer nach Anleitung. Mein Vater hat geheimwerkt (öhm... hö? heimgewerkt?), aber hmm... er hat praktische Arbeiten gemacht, repariert, tapeziert, verschiedenste Dinge, aber es war nicht recht künstlerisch oder so. Kreativ? Vielleicht eher nicht... Okay, doch, hin und wieder. Ich hab in meinem Leben von Zeit zu Zeit einen Versuch unternommen, mich weiterzuentwickeln, etwas Eigenes zu erschaffen. Es war immer mein großer Lebenstraum. Ich wollte etwas Erschaffen, was bleibt, was mich überdauert, was von mir erzählt. Und nein, das sind für mich nicht Kinder. Nein, es können für mich keine Kinder sein, da sie im schlimmsten Fall kein Wort mehr über ihre Eltern reden oder sogar was weiß ich wie schlecht reden. Nein, ich meine etwas, was in seiner Art von mir erzählt, etwas was mehr als nur meine Verwandten kennen. Nun ja, das sollte doch wohl im Zeitalter des Internets, der globalen Vernetzung mit Leuten in großer Zahl in allen möglichen Ecken der Welt eigentlich kein Problem darstellen, oder? Also sollte ich doch ganz leicht etwas erschaffen und publizieren können, oder? Warum also tue ich mich damit schwer? Ich bin es nicht gewohnt, etwas selbst zu erschaffen, nicht geübt im Kreieren von Dingen. Meine Fähigkeiten - limitiert durch die Verfügbarkeit an erwerblichem Material. Meine Kreativität? Quasi nicht vorhanden. Also doch, irgendwie schon, aber in ganz kleinen, rudimentären Ansätzen. In meiner Schule steht auf netten laminierten Ausdrucken: "A room to increase your creativity", also "Ein Raum um deine Kreativität zu erhöhen"... und GENAU DAS kann ich hier im Moment rein gar nicht finden. Alles ist geramscht voller Konsumgüter, gesemmelt voll von Konsum, alle Ecken voller Ramsch und Tand, voller Kisten und Kästen, voller Bücher und Magazine. Der Garten ist gut!! Der Garten hat kleine Kreative Elemente, auch wenn vieles auch dort nach Empfehlungen, u.a. aus Gartenzeitschriften und -büchern. Nun ja. Überhaupt, meine Mutter, mein Rollenvorbild. Sie erzählte hin und wieder, dass sie damals nicht studiert habe, weil es als Studentin viel mehr Eigenverantwortung brauche, die sie nach eigenem Ermessen nicht habe aufbringen können. Ich hielt es für eine legitime Entschuldigung und Erklärung für meine schon damals gefühlte Unfähigkeit. Später erklärte ich auch selbst meine Entscheidung zur fachschulischen Ausbildung statt eines Studiums mit eben diesem Ausspruch. Ich hätte das mit einem Studium nicht geschafft. Das wäre einfach zu viel Eigenorganisation benötigt. Und dann die Sache mit den Kulissen... Meine Mutter erzählte immer wieder, dass sie in einem Schultheaterstück keine Rolle übernehmen wollte, weil sie zu schüchtern gewesen sei, aber Kulissen zu bauen sei sehr schön gewesen. Also versuchte ich auch etwas mit Kulissen zu machen. Aber schließlich traute ich mich, Zweitbesetzungen zu übernehmen. Das war gut gewesen. Ich habe zwar Fehler gemacht, aber es war eine Herausforderung, eine Verantwortung für einen Part, die ich übernommen habe und die ich nach meinen Fähigkeiten erfüllt habe. Ich konnte meinen Part leisten. Es wäre doch so gut für mich gewesen, wenn ich damals schon daran angeknüpft hätte. Natürlich, das waren vorgegebene Texte und Rollen, aber es gab mir einen Eindruck davon, wie es sein könnte. Wie es hätte sein können, eigene Wege zu gehen. Meine Eltern. Mein Vater, voll berufstätig und ein ungeduldiger Erziehungsprimat, der im Laufe der Zeit dazu überging, seinen Worten, seinem Gebrüll auch durch die eine oder andere Ohrfeige Gehör zu verschaffen. Und meine Mutter, schwanger geworden und Beruf drangegeben, Haus- und Familienfrau geworden. Liebenswürdig und harmlos, ein braves Mädchen, irgendwie nicht so recht geschaffen für Verantwortung. Über eigene Gefühle zu sprechen war nicht Teil des Erziehungsplans. Über eigene Träume, Visionen oder so etwas zu sprechen, nein, dafür war dieses heile Elternhaus nicht der rechte Ort. Sich auszudrücken, sich nach eigenen Regeln auszudrücken, nach eigenen Vorstellungen zu existieren, nein, dazu war es nicht der rechte Ort. Okay, ich muss das alles nun noch erst mal weiter durchdenken, dann kann ich wieder schreiben.