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2013/4/17 - erste Unterrichtswoche an der neuen Schule...

Ich bin so kurz davor, mir etwas anzutun, mich halt zu verletzen, denke wieder konkret an Selbstmord, spiele verschiedene Selbstmordvarianten in Gedanken durch, weine...

Wenn ich mich verletzt habe in der Vergangenheit, dann war es, um den seelischen Schmerz aus dem Inneren, wo er wütete, abzulassen und auf einen körperlichen umzulenken. Es war, weil es innen einfach zu schlimm weh tat - da hab ich mir nicht anders zu helfen gewusst, als den Schmerz äußerlich zu kanalisieren und sichtbar zu machen. Es ging mir sogar weniger darum tief zu ritzen oder so, nein, viele flache Schnitte, das war mein Stil. Wenn es dann brannte, wo ich mit einer Nadel auch ab und an die gleiche Stelle zigmal gekratzt hatte, dann war der innerliche Schmerz ein wenig besänftigt.

Ich bin auf einem Anfängerlevel in der Musikschule, wo ich jetzt hingehe (Musik-Berufsschule). Quasi alle anderen in meinem Kurs sind um Längen besser als ich, haben schon viel mehr drauf und auch viel flüssiger und lockerer und überhaupt. In den Fragebögen und so, wo auch gefragt wurde nach Depressionen oder sonst was, da hab ich gelogen, dass ich das nicht hätte. Weil ich Angst habe, dass ich dann als Psycho oder Weichei, Heulsuse oder was auch immer abgestempelt und aussortiert werde. Wenn mir etwas nicht gelingt, dann ist das für mich NICHT Ansporn für mehr Übung, nein, denn in meiner Welt gibt es kein Hinfallen-Aufstehen-Hinfallen-Aufstehen... machen, neu machen, ändern, umformen etc... nein, wenn etwas nicht gleich hundertpro wird, dann ist es schlecht. Wer nichts weiß, hält die Klappe. Wer nichts kann, lässt anderen den Vortritt, denn wer nichts kann, kann sich lediglich zum Idioten machen vor allen. Ich hatte die dumme Hoffnung, dass es ein Neuanfang sein könnte, aber ich habe mich geirrt.

"3. Stadium: Das Kind kämpft nicht mehr."
Im Netz gefunden.

Frage: Welchen Grund hätte ich noch zum Kämpfen? Ich habe vor langer Zeit aufgehört zu kämpfen, kann mich im Grunde gar nicht mehr erinnern, wann das war. Vielleicht in einem früheren Leben oder so, kann schon sein. In diesem Leben kann ich mich jedenfalls nicht daran erinnern.
Es steht in den Fragen und Antworten zu dem Unterricht, dass es nicht der Fall sei, dass die anderen über einen lachen, wenn man etwas nicht hinbekommt, aber ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung, dass dicken Kindern keiner auf die Beine hilft, wenn sie hinfallen. Nein, da lachen alle nur, denn es ist ja lustig, wenn dicke Kinder hinfallen. Warum lachen da alle nur drüber? Gibt es keinen, der zu dem dicken Kind hält und zu ihm hingeht und fragt, ob es sich weh getan hat und ihm vielleicht aufhilft?
Nein, ich bin nicht ausschließlich und ständig ausgelacht worden in meiner Kindheit und Jugend. Ich habe lediglich in jeder Faser meines Körpers verinnerlicht und gespeichert, dass es böse für mich ausgeht, wenn ich den Erwartungen nicht entspreche. Mein Vater hat immer alles 200%ig gemacht und auf Anhieb perfekt. Hinfallen-Aufstehen gab es bei ihm nicht. Und dann ist er hingefallen. Umgefallen und nicht wieder aufgestanden. Tot. Herzinfarkt. Ohne dass ich ihn noch hätte fragen können, warum er seinen Kindern immer wieder Ohrfeigen gegeben hat, warum er nur auf seine Kinder stolz war, wenn sie eine gute, eine tolle Leistung erbracht hatten. Ich hätte noch so viel mit meinem Vater reden wollen, ihn fragen wollen, damit ich ihm hätte vergeben können. Ich hätte ihn gerne noch mal umarmt und ihm gesagt, dass ich ihn trotz allem lieb hab, weil er mein Vater ist, hätte ihm so gerne zu verstehen gegeben, dass ich einfach so ratlos bin, warum er überhaupt Ohrfeigen und so verteilen musste. Ich tu doch einem Menschen, den ich liebe, nicht wissentlich und willentlich weh im Normalfall.

Misserfolgserwartung erhöht die Chance auf Misserfolg. Ich schaff das eh nicht. Ich kann das ja doch nicht. Die anderen sind ja eh besser als ich. Erfolgsglaube führt zu Erfolg - Misserfolgsglaube führt zu Misserfolg. Ich habe daran geglaubt, dass ich versage - und mein Glaube hat sich bestätigt. Ich habe versagt.
Die Sache hat doch nur einen Haken: es wäre ebenso ausgefallen, auch wenn ich geglaubt hätte, dass ich Erfolg habe. Auch der Glaube ändert nichts daran, dass mir die Dinge einfach misslingen. Das Level ist einfach zu hoch für mich. Es war für mich immer nur wichtig, dass ich punktuell lerne, denn dann bekam ich eine gute Note und damit waren mir Anerkennung, Wohlwollen und Zuneigung sicher. Dann war ich safe. Sicher. Wenn ich eine schlechte Note hatte, dann hieß das, dass ich nicht gelobt wurde. Ich bekam keine Belohnung. Wir bekamen als Kinder für eine 1 im Zeugnis 2 DM, für eine 2 im Zeugnis 1 DM, eine 3 gab 50 Pf, eine 4 lag bei null, eine 5 kostete 50 Pf und eine 6 kostete 1 DM. Es hat immer zu einem neuen Was-ist-Was-Buch gereicht... Wenn ich das hatte, war ich happy. Gelernt habe ich in all den Jahren vielleicht mehr aus jenen Büchern als aus dem Schulunterricht...

Und nein, heute hat es keinen Spaß gemacht. Also doch schon, weil ich gerne Schlagzeug spiele und auch gerne mit anderen zusammen, aber wenn es ein neues Groovemuster ist, was ich gerade erst auf die Reihe bekommen habe, dann kann ich das vielleicht auf 80 oder 90 bpm spielen, wenn es hochkommt - aber nicht doch gleich auf 130 und mehr. Und dann auch noch Rhythmuswechsel und noch Akzente und noch auf die anderen achten und hallo????  Das morgige Stück wird schlimm werden... Ich mein, wieso soll ich mich an einer Aufgabe bewerten lassen, die mein Level um einige Längen übersteigt? Das ist das Gleiche wie damals mit dem Wasserhahn im Keller...

Ich fühle mich richtig leer gerade, ausgelaugt und resigniert. 

 

Und ob ich fliegen kann oder nicht - das kann ich doch nur wissen, wenn ich es ausprobiere...